Deutsches Atlantikwall-Archiv

Blaavand

 

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Die Stützpunktgruppe Blaavand

Stand 03.08.2017

Ziel der meisten Dänemark-Reisenden aus Deutschland ist das Blaavandshuk und die umliegenden Strände. Wenn auch nicht die zahlreich vorhandenen Bunker hierfür der Grund sind, so sind letztere doch für viele Touristen der Anlaß dafür gewesen, sich etwas intensiver mit dem Atlantikwall und seinen noch vorhandenen Resten auseinanderzusetzen. R 671

Rund um das Kap bei den Örtchen Blaavand und Oksby scharen sich viele verschiedenartige Stützpunkte und Widerstandsnester aller drei Wehrmachtteile.

L 485, Luftwaffenregelbau für MAMMUT-Fernstsuchanlage Durch seine geografische Lage - weit nach Westen hervorspringend und dem größten Nordseehafen Dänemarks (Esbjerg) vorgelagert - war es geradezu zwangsläufig, hier strategisch wichtige Installationen vorzunehmen, um eine alliierte Landung direkt im Norden Deutschlands zu verhindern.

Die Luftwaffe erhielt hier einen wichtigen Funkmeßstützpunkt ('BÜFFEL' genannt), um einfliegende alliierte Bomberverbände orten zu können. Ergänzt wurden die dazu notwendigen Funkmeßgeräte durch einen zweistöckigen Bunker für die Jagdführung, um die Meldungen der verschiedenen Empfangsstationen direkt zu den nächsten Fliegerhorsten weitergeben zu können. Partnerstationen lagen bei Söndervig, Thyborön und östlich von Hanstholm. Alle Meldungen der Küstenstationen liefen im zentral gelegenen Jägerleitbunker auf dem Flughafen Grove/Karup zusammen.

L 487, Jagdführerstand, Sockel für SEEBURG-Tisch L 487, Jagdführerstand, Auswerteraum

Ergänzt wurden die für kurze und mittlere Distanzen zuständigen Funkmeßgeräte durch eine Fernstsuchanlage (MAMMUT-Funkmeßgerät), die ebenfalls von der Luftwaffe betreut wurde.

Rechter Sockel des L 485, Stand für MAMMUT-Fernstsuchanlage

Die Marine unterhielt ebenfalls eine Funkmeß(ortungungs-)anlage sowie einen Sender mitsamt den Anlagen zu dessen Schutz. Kurz vor Kriegsende sollte bei Oksby noch eine schwere Marinebatterie erstellt werden, um die Reede von Esbjerg zu schützen. Zum Einsatz sollten zwei 38cm Schiffspanzertürme in Zwillingslafette kommen. Fertiggestellt wurden aber nur die beiden Bettungen mit den zugehörigen Räumen im Untergeschoß. Versorgungs- und Mannschaftsräume erlebten die Betonierung nicht mehr. Einer dieser Bunker ist heute zum Museum umgebaut worden.

S 561 für 38cm Geschütz, Blick in den Geschützaufnahmeschacht Ein Kampfwagenturm des PI wartet auf seine Restaurierung
Im unteren Kampfraum des S 561 S 561: hier führte die Laufkatze der Munitionsförderung hindurch
 
Die Festungspioniere hinterließen einen 'Spielplatz' der besonderen Art. Nördlich vom Blaavandshuk machte man Versuche, um die verschiedensten Geschütztypen in Ringstände und Kasematten einzubauen.

Interessant muten die Versuchsbauten an, die zumeist eine vollständige Schartenfront, sonst aber nur betonierte Rumpfteile erhielten. So ist heute noch ein Schartenkopf einer Kasematte für 15cm Seezielgeschütz (ähnlich eines M 176) und der eines Pak-Schartenstandes (ähnlich einem R 680) erhalten. Desweiteren findet man noch etliche Versuchs-Ringstände.

 

Versuchsschartenkopf eines M 176

Für das Heer wären die beiden Küstenbatterien zu nennen, die bei Blaavand installiert wurden.

Der Leitstand R 636 ist auch heute noch perfekt in die Düne eingebaut Die 7. Batterie des HKAR 180 war vollfestungsmäßig ausgebaut und wurde von einem ebenfalls mit ständigen Anlagen ausgestatteten Infanteriestützpunkt gesichert.

Die andere Heeresküstenbatterie beim Ortsteil Vandflot, fast mitten in Blaavand gelegen, war lediglich feldmäßig ausgebaut und wurde nur durch Postenstände gesichert.

Postenstand der Batterie Vandflot
 
Der Strand nördlich vom Blaavandshuk Die Sicherung der gesamten Stützpunktgruppe wurde von Heereseinheiten der '1. Stellung' übernommen, deren MG-Flankierungsbunker alle paar hundert Meter in Pärchen den Strand sicherten.
 
Gegen Tiefflieger waren überall im Westen und Süden des Ortes Flugabwehrzüge auf Luftwaffen- oder Marineregelbauten installiert. L 409A im FuMG-Stp 'BÜFFEL'

 

Zur Vertiefung:

[1] Sonderband 10 - Die Heeresregelbauten (vergriffen)
[2] Sonderband 14 - Die Stützpunktgruppen Blaavand und Nymindegab 
  Hier sind alle Grundrisse der in Blaavand vorkommenden Luftwaffenregelbauten enthalten


 

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Stand: 17. Dezember 2016

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