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Deutsches Atlantikwall-Archiv
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Stand 21.05.2009 Was für ein Invasionsrummel in der Normandie zum 60. Jahrestag der alliierten Landung!
Wir hätten nicht gedacht, daß der 50. Jahrestag noch 'zu toppen' ist, aber
was sich in diesem Sommer an 'Großkampftagen' mit all den damit verbundenen
Maßnahmen auch infrastruktureller Art abspielte, war nicht mehr feierlich.
Der erste Tip betrifft Reisende, die sich von Norden und Nordosten Frankreichs in die Normandie begeben und einen kleinen Abstecher über die D 982 westlich Rouen nicht scheuen. Erst seit 2004 existiert das kleine Musée Août 1944, das sich der Aufarbeitung der Kämpfe um die Seine-Übergänge widmet, über die die geschlagenen deutschen Resttruppen 1944 zurückfluteten. Es handelt sich also um kein reinrassiges Invasionsmuseum. Noch hat man keine Großexponate vorzuweisen, aber Kampfwagenfans finden etliche aufgearbeitete Bodenfundstücke deutscher Kampfwagen, Waffenfans können sich an den Handwaffen erfreuen, Modellbauer können sich für verregnete Normandieurlaubstage mit Modellen eindecken und Geschichtsinteressierte können ihre Wissenslücken über den Frühherbst 1944 schließen. Die Familie kann man günstig bei einer Schloßbesichtigung "parken".
Die Autobahn von Calais über Rouen und Le Havre ist
mitsamt ihrer neuen Brücke über die Seine rechtzeitig fertig geworden, um das
beispielsweise ohnehin schon enge Honfleur zum Platzen zu bringen - wenn man
denn normannische Idylle ein paar Kilometer abseits der Landungszone genießen
will. Große Campingfahrzeuge werden von der Küstenstraße
nach Trouville ferngehalten: über 3,5t ist hier das Fahren verboten. Immerhin
besser, als auch diese schöne Strecke zur Schnellstraße auszubauen.
Zum Anlaß des 60ten Jahrestages der alliierten Landung hatte sich ein Komitee gebildet, unter dessen Fittichen viele Veranstaltungen durchgeführt wurden. Vielleicht wiederholt sich das Ganze zum 70. Jahrestag. Infomaterial bei: Association Headquarters
Nachdem in Courseulles ein neues Museum (Juno Beach Center) entstand, ist und bleibt der Rest der Stellung unter dem sandigen Abraum verschwunden. Lediglich ein R 666 (Kuppel abgeschweißt) kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Welch ein Gegensatz zu den Freilichtmuseen Colleville, Les Perruques, Marcouf und Azeville! So neu wie das Memorial ist - an den ständig in den Eingang wehenden Flugsand hat der Architekt wohl nicht gedacht. Vielleicht wären hier einige Originalfotos lehrreich gewesen ... Arromanches platzt schon ab Ostern aus allen Nähten. Auf der Anhöhe im Osten (wo sich eine deutsche Funkmeßstellung befand) jaulen ständig die Auto-Alarme, in der Stadt ist man vor knöllchenschreibenden Ordnungshütern nicht sicher, am Landungsmuseum reiht man sich in die Besucherschlange ein, um die mittlerweile antiquierten Dioramen begutachten zu können. In der Batterie Longues hat man hier und da weitere Kleinstunterstände und Tobruks freigelegt. Immerhin kann man sich auf einer geführten Tour mit einem Golfcaddy durch die Gegend kutschieren lassen. Für Veteranen bestimmt eine prima Einrichtung. Lustig wird es, wenn diese Gefährte vollbesetzt mit kernigen tarnfleckgemusterten und mit Videokameras bewaffneten Gestalten durchs Gelände schaukeln. Mittlerweile ist der Parkplatz erweitert worden, die Touristen werden busweise über die Stellung ausgeschüttet. Zuständig für die Stellung ist seit 2006 das Verkehrsamt in Bayeux.
In Port-en-Bessin wurde die Ostmole umgestaltet. Der Platz, auf dem das Filmcasino von Ouistreham stand, ist eingeebnet, der Ringstand 65a dort daher nur noch in Umrissen zu erkennen. Der wunderschön gelegene Übernachtungsplatz auf der Ostmole wurde zugunsten von PKW-Parkplätzen geschlossen. Alternative Plätze bieten sich oberhalb in der Stadt: schräg und unromantisch. Als Freilichtgelände lockt das WN 62 den Bunkerforscher, leider aber auch die Automarder auf den Parkplatz oberhalb dieser Stellung.
Am erfreulichsten ist noch der Besuch im kürzlich renovierten und erweiterten Omaha Museum bei Les Moulins / St. Laurent. Hier hat sich nach der Renovierung eine Menge getan. Das Museum D.Day Omaha hat es tatsächlich bis zum Jahrestag geschafft, die Segmente einer Landungsbrücke zu einem Ganzen zusammenzusetzen. Bei unserem Besuch im Mai 2004 haben wir dies nicht für möglich gehalten. Zum Vergleich zum heutigen Zustand die untenstehenden Bilder. 2008-2009 waren auf dem Parkplatz vor dem Museum einige Aktivitäten festzustellen. Scheinbar will man das Museumsareal erweitern.
Die Heeresküstenbatterie Les Perruques südwestlich von Grandcamp-Maisy in der Normandie wurde für die Sommersaison 2006 ausgegraben. Vollmundig wurde uns 2007 versprochen, wir würden die größte Batterie (des Atlantikwalls, Frankreich, der Normandie oder nur vom Calvados?) sehen. Nun ja, überzeugen Sie sich selbst! Wenn allerdings - wie ebenfalls (für 2008!) angekündigt - die benachbarte Batterie ebenfalls noch zur Schau gestellt wird, ist man dann schon einige Minuten unterwegs. Unser Besuch im März 2009 ergab: ein neues Büdchen am Eingang, einige Geschütze (nicht im besten Zustand) in den Bettungen, im Museumsgelände tat sich sonst nichts mehr, die Nachbarbatterie ist weiterhin unberührt, das angekündigte Buch des Museumsbetreibers über die Kämpfe in dieser Region fehlte auch.
Bevor man sich in das Cotentin begibt, könnte man sich mit Uniformteilen im neuen Luftlandemuseum in St. Côme-du-Mont eindecken. Stolze Preise von stolzen Besitzern, die auf einem hohen Roß zu sitzen scheinen! Auf dem Weg zur Küste durchquert man Ste.-Marie-du-Mont, das erste befreite Örtchen in Frankreich. Hier gibt es zwei kleine Museen und - wen wundert's - einen Militaria-Laden. Frisch verkleidet im Phantasieflecktarn fährt man dann nach Nordosten zum Utah-Beach, um dem dortigen Museum einen Besuch abzustatten. Als eines der ersten Landungsmuseum wurde es anläßlich des 50sten Jahrestages der Landung verjüngt und vergrößert. Leider wurden dabei die Reste des allseits bekannten W 5 fast wiedererkennungslos "bereinigt". Dafür besticht die Ausstellung im neuen Gewand. Die Puppe am Kirchturm von Ste. Mere Eglise wird regelmäßig verjüngt (ebenso wie das Kriegsspielzeug in den Souvenirläden) und auch das dortige Luftlandemuseum wurde vollkommen neu aufgebaut. Nicht unbedingt besser, aber wohl im Stile der heutigen Zeit. Überhaupt stellt sich das Städtchen neben Arromanches als Invasionshochburg touristischen Treibens dar. Krönung ist dann ein jährliches Springen (mit dem Fallschirm). Die Batterie Marcouf wurde zum Zeitpunkt unseres Besuches im April 2004 freigelegt und ist heute ein Freilichtmuseum. Nachdem sich einige Jahre nicht mehr sehr viel getan hat, kann man ab 2008 auf einen Beobachtungsturm steigen und einen wiedereingerichteten Bunker sehen. 2009 konnten wir weitere Fortschritte auf dem Gelände feststellen - der Betreiber bemüht sich weiterhin, die Stellung immer attraktiver zu machen.
Übrigens ist die Stellung mit S-Drahtrollen gegen unbefugtes Betreten von Souvenirjägern und profitgierigen 'Bunkerforschern' gesichert. Leiden müssen darunter wieder einmal die interessierten Bunkerfotografen, die aus einer Stellung nichts anderes als Erinnerungen auf Celluloid oder Festplatte mitnehmen. Näheres über das Freilichtmuseum Marcouf ist - reichlich bebildert - in unseren DAWA Nachrichten, Ausgabe 44 und 46, nachzulesen. Trotz der Nähe zur Heeresküstenbatterie Azeville sind dessen Betreiber nicht bei Marcouf involviert. Schade, denn dies hätte Positives mit Sicherheit erwarten lassen - so bleibt der Besucher mit spärlichen Erläuterungen allein in der Stellung. Schon 2007 sollte in Azeville eine 10,5 cm K 331 (f) einen der Geschützbunker zieren - die französische Administration brachte aber die Verhandlungen mit norwegischen Besitzern einer solchen Waffe zum Erliegen. Wir hatten seinerzeit den Kontakt vermittelt und hätten uns über dieses Ausstellungsstück sehr gefreut.
Zum Schluß eine schlechte Nachricht: das Museum bei Avranches wurde aufgelöst! Alles in allem bleibt dem Chronisten nur noch festzustellen, daß die Normandie längst aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht ist und sich langsam aber sicher zu einer touristischen Hochburg nicht nur für das Stammpublikum aus der Ile de France entwickelt hat - mit allen Vor- und Nachteilen. Zur Vertiefung:
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Harry.Lippmann@deutschesatlantikwallarchiv.de
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