Deutsches Atlantikwall-Archiv

Cherbourg

 

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Die Festung Cherbourg

Das gescheiterte Landeunternehmen in Dieppe 1942 bestärkte die deutsche Führung in dem Irrglauben, daß eine moderne Armee zum intensiven Ausbau eines Landekopfes als Absprungbasis für weitere Offensiven über einen leistungsstarken Hafen verfügen müsse. Auch Beispiele erfolgreicher Einnahmen von Seefestungen über deren Landseite (Sewastopol, Singapur) konnten diese Auffassung nicht ändern.

Blick auf Cherbourg Kabelbrunnen am Fort du Roule

Bedingt durch seine große und durch die Außenmolen gut geschützte Reede wurde Cherbourg, noch einigermaßen in Reichweite britischer Häfen liegend, deutscherseits mit Priorität befestigt, um eine Einnahme anläßlich eines anglo-amerikanischen Landeunternehmens zu verhindern. So wurden denn eifrig die alten französischen Seeforts von Cherbourg modernisiert und mit deutschen Einbauten versehen, neue Seezielbatterien errichtet, die Hafenanlagen schwer gesichert und die Strände mit flankierenden Kampfanlagen versehen.

An den Rändern der Festung Cherbourg entstanden zwei moderne Stützpunktgruppen, um einen Angriff längs der Küstenstraße abriegeln zu können. Kernpunkt dieser beiden Stützpunktgruppen "Ost-" und "Westeck" waren jeweils eine schwere Seezielbatterie mit drumherum angelegten und verbunkerten Feldartillerie-, Flugabwehr- und Infanteriestellungen.

Kabelbrunnen Die eigentliche Landfront wurde jedoch nur punktuell vollfestungsmäßig ausgebaut.

 

Im Zwischengelände befanden sich viele Flugabwehrstellungen zur Abwehr alliierter Bomberangriffe. Die Nähe zu England und der zum offenen Atlantik lange Seeweg ließen den Bau von U-Boot-Bunkern nicht ratsam erscheinen. Man beschränkte sich auf einen betonierten Schutz für Schnellboote.

In ein Seegefecht waren die deutschen Küstenbatterien nur kurze Zeit verwickelt - die alliierten Verbände zogen sich schnell aus den deckenden Salven der Batterien Hamburg und Brommy zurück.

Cherbourg wurde schließlich von der Landseite her eingenommen. Der Hafen wurde auf lange Zeit durch Sprengungen unbenutzbar gemacht. Leider fiel diesen Zerstörungen auch das Wahrzeichen Cherbourgs, der Turm am Seebahnhof, zum Opfer. Seine Trümmer sollten das innere Hafenbecken zuschütten.

Heute ist fast alles demilitarisiert und verwildert zusehends - oder wird von urbanen Projekten vor allem in Citynähe zur Seite gedrängt.

HKB Equerdreville / R 679 - Schartenfront HKB Equerdreville / R 679 - Nischen für Tarnung

Wer sich die Anlagen im Stadtbereich Cherbourgs ansehen will, muß sich beeilen. Die Bunker im Hafengebiet sind zugunsten der neuen Fährterminals alle geräumt worden. Die letzten intakten Batterien und Stützpunkte waren lange Zeit in militärischem Besitz und überlebten daher die Abrißarbeiten direkt nach Kriegsende. Erst in den letzten Jahren wurde der große Stützpunkt in Equerdreville zugunsten neuer Wohnhäuser planiert. Die Kleinstglocke des dortigen R 502 sicherte sich das D.Day OMAHA Museum - ebenso wie die Kuppel eines 6-Schartenturmes, der sich im Hafengelände befand.

Stp Equerdreville / R 502

ehemals im Stp Hafen: 6-Schartenturm

Die Flugabwehrbatterie Equerdreville mutierte mittlerweile zu einem Park, auf der Trasse der dort stationierten Eisenbahnbatterie verläuft die vierspurig ausgebaute Küstenstraße, die kleinen Außenforts werden von Vereinen genutzt und das Hohlgangsystem unter dem Fort du Roule wurde zubetoniert.

FlaBttr Equerdreville / L 419 FlaBttr Equerdreville / L 401
Zugang zum Fort du Roule Lange Jahre war das Fort du Roule eines der damals noch nicht so zahlreich vorhandenen Invasionsmuseen. Trotz offizieller Wiedereröffnung mit neuen Öffnungszeiten haben wir das Fort im Frühling nie mehr geöffnet angetroffen.

Wer sich nicht völlig frustrieren lassen will, dem seien Spaziergänge an den Küsten westlich und östlich Cherbourg angeraten. Die Widerstandsnester dort sind teilweise noch recht gut erhalten.
 

Zur Vertiefung:

[1] DAWA Sonderband 17 - Militärmuseen in Frankreich

  

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Stand: 23. Mai 2007